Als ich letztens jemandem vorschlug, er solle doch etwas gelassener werden und etwas anders mit der Situation umgehen, in der dieser gerade steckte, erhielt ich zur Antwort: "Aber ich muss doch kämpfen. Da kann ich doch nicht gelassener werden."

Ich meine das geht und zwar viel besser, als sich vollkommen in seinen Emotionen zu verstricken. Gelassenheit bedeutet nicht alles hinzunehmen, sondern eine innere Haltung einzunehmen, die es einem erlaubt, in schwierigen Situationen ruhig und besonnen zu handeln. Man bildet quasi das Auge eines Zyklons, dort herrscht immer Ruhe, während drum herum das Chaos regiert.

Dazu hat der heilige Franziskus folgendes geschrieben, was meiner Meinung nach am Besten darstellt, dass gelassener werden nicht bedeutet, alles hinnehmen zu müssen, was einem begegnet:

 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom Anderen zu unterscheiden.

 

Die Gelassenheitsgrade

Im Yoga spricht an von zwei Gelassenheitsgraden.

Der erste ist die Gelassenheit gegenüber den Ereignissen der äußeren Welt, also die Ruhe des Geistes inmitten von Veränderungen.

Der zweite ist die Gelasssenheit gegenüber den Ereignissen der inneren Welt, also die Akzeptanz gegenüber der eigenen Emotionalität, den eigenen Höhen und Tiefen. Die Fähigkeit, seine Gefühle, Emotionen etc. anzunehmen, und sie bis zu einem gewissen Grad steuern zu können.

Es gibt Situationen oder auch Momente, da könnte ich von einer Sekunde zur anderen aus der Haut fahren. Manchmal brauchts dafür nur eine blöde Frage oder Anmerkung eines Kollegen. Aber jedes mal explodieren ist auch ganz schön doof und sehr anstrengend. Das war der Auslöser mich, mich noch ein Stück mehr mit dem Thema Gelassenheit und gelassener werden zu beschäftigen. Denn innere Ruhe kann man lernen und das alleine finde ich schon seeehr beruhigend.

Wer sich ständig über andere Menschen aufregt und sich ständig Sorgen macht, was alles passieren könnte, lebt in permanenter Aufregung, kommt selten zur Ruhe. Immer mit der Angst zu leben, dass gleich etwas passieren könnte oder darüber nachzusinnen, warum der Anderen gerade so reagiert, was die Hintergründe sein könnten oder auch was Böses dahinterstecken könnte, das raubt auf Dauer Deine ganze Lebensenergie.

Lass das nicht zu, nutze Deine Energie für die Dinge, die Dir am Herzen liegen.

 

Angst ist ein schlechter Begleiter

Wer ständig in Angst lebt, dass er nicht geliebt oder verlassen wird oder wer ständig nach Anerkennung durch sein Umfeld strebt, wird niemals gelassen sein können. Du bist ständig angespannt und sogar verspannt. Die innere Anspannung überträgt sich irgendwann auf Deinen Körper und verursacht Verspannungen bis hin zu Kopfschmerzen. Wenn Du alles versuchst, um es Anderen Recht zu machen, dann vernachlässigst Du nicht nur Deine Bedürfnisse und stellst Deine Wünsche permanent hintenan, sondern Du wirst auch nie Deinen inneren Frieden finden.

Finde heraus, was Deine größten Ängste im Moment sind. Dieser Artikel hilft Dir dabei.

 

Deiner Intuition folgen

Wir alle haben es, das Bauchgefühl, unsere Intuition, aber vertraust Du ihm wirklich? Als Kinder hatten wir es noch und wir haben danach gelebt und gehandelt. Damals waren wir frei und alles war richtig - alles hat sich richtig angefühlt. Wir waren eins mit uns.

Mit der Zeit hast Du gelernt Dich anzupassen an das, was die Erwachsenen von Dir erwarteten. Zu diesem Zeitpunkt endete die  Freiheit. Du hast Dein Verhalten nach den Erwartungen und Vorgaben der Anderen ausgerichtet, weil Du ihre Liebe, Anerkennung, Zuneigung ... haben wolltest. Das hast Du nämlich nur bekommen, wenn Du Dich so verhalten hast, wie sie wollten. Es steckt wirklich keine böse Absicht dahinter, es war nur zu Deinem Besten. Verurteile Deine Eltern, Verwandten oder Lehrer nicht dafür. Sie konnten nicht anders handeln. Verzeih ihnen! Sie wussten es nicht besser.

Auch heute noch begegnet Dir Dein Bauchgefühl, auch wenn seine Stimme sich nur noch flüsterleise bemerktbar macht, als ein dünnes Stimmchen. Gib nicht auf, wenn Deine Intuition nicht gleich wieder in voller Blüte steht. Das braucht ein wenig Zeit. Sie war ja auch nicht von heute auf morgen verschwunden.

Du hast nur verlernt auf deine Intuition zu hören. Darauf zu vertrauen, dass Du selber weißt, was für Dich richtig und gut ist. Deine Aufgabe ist nun, dieses verlorengegangene Wissen wieder hervorzuholen. Es ist nur vergraben, nicht vergessen. Das fast verstummte Flüstern in Dir, die Du ab und zu hörst, wenn Du Dich mal wieder nicht um Dich selbst kümmerst, sondern nur um die Bedürfnisse der Anderen. Die leise innere Stimme, die sagt, das fühlt sich nicht gut an. Dein Bauchgefühl spricht zu Dir. Es fordert Dich auf, Deinen eigenen Wünschen zu folgen. Vertraue darauf, was es Dir sagt, es irrt sich nie, wenn Du genau zuhörst.

Versuche immer öfter dieser leisen Stimme zu vertrauen. Wenn sich für Dich diese Entscheidung nicht gut anfühlt, dann triff eine andere. Fühle in Dich hinein, ob und welche andere Entscheidung Dein Bauchgrummeln verstummen lässt.

 

 

Gelassener werden - hier ein Weg dazu

 

Es gibt für jeden von uns einen individuellen Weg um gelassener werden zu können. Man kann Dich nicht mit mir oder mit Deiner Freundin/Deinem Freund vergleichen. Bei jedem ist der Weg gelassener zu werden anders. Deswegen hier einige Anregungen, die Dir dabei helfen sollen.

 

1.Meditation

Zuerst einmal ist es sinnvoll, die Gedanken zu beruhigen. Nur mit einem relativ ruhigen Geist kannst du Deine innere Stimme hören, Deine Ängste wahrnehmen und ruhig und besonnen reagieren. So einfach kann Gelassenheit funktionieren.

Nimm Dir ein paar Minuten am Tag Zeit für Dich und versuche alle Gedanken, die Dir in den Sinn kommen einfach nur anzusehen, nicht zu bewerten und sie nicht zum Tee einzuladen, sondern sie einfach weiterziehen zu lassen. Das schon ist Meditation, sich Zeit nehmen die Gedanken zu beruhigen und die innere Stimme sprechen lassen.

Lasse danach den Tag noch einmal Revue passieren. Wann hast Du eine Entscheidung getroffen oder mit Ja anstelle von Nein geantwortet? Fühle nach wie sich das in dem Moment angefühlt hat.

  • War es ein gutes oder ein komisches Gefühlt?
  • Vielleicht sogar falsch?
  • Oder Dein Bauch hat sich etwas zusammengezogen?

DAS ist Dein Bauchgefühl, Deine Intuition! Konzentriere Dich darauf immer wieder. Versuche den Moment zu finden, an dem dieses Gefühl auftaucht und ändere Deine Antwort/Entscheidung... Ja man darf sich auch mal irren und eine jetzt getroffenen Entscheidung wieder korrigieren. Irgendwann ist das so, dass Du erst eine kleine Pause einlegst, nachfühlst, was für Dich richtig ist und dann sprichst.

Oder einfach: Reden ohne Denken ist wie Schiessen ohne Zielen!

Wenn Du regelmäßig Deine Gedanken sortierst, evtl auch aufschreibst, was Dir so in den Sinn kommt, dann ändert sich mit der Zeit Deine Einstellung zu bzw. Deine Bewertung in bestimmten Situationen.

Es kommt auf Deine Sichtweise an. Wenn Du, am besten täglich, daran arbeitest, wirst Du das Bauchgefühl in dem Moment merken, indem Du eine Entscheidung treffen sollst. Lass Dich nicht entmutigen, wenn es nicht gleich klappt oder Du es immer wieder zu spät bemerkst. Es sind alles nur Wege, wie es nicht funktioniert. Mach einfach weiter, es wird immer besser werden. Irgendwann kannst Du dann sofort darauf reagieren und immer mehr nach Deiner inneren Stimme handeln.

 

2. Stress abbauen durch Yoga oder anderen Sport

Yoga kann eine sinnvolle Ergänzung zum Gedanken- bzw. Intuitionstraining sein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Yoga wirklich sehr entspannend ist. Entspannung ist meiner Erfahrung nach die Grundvoraussetzung für Gelassenheit  und gelassenes Handeln. Es gibt mittlerweile einige wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Thema Yoga und Gesundheit auseinander gesetzt haben. Yoga genauso wie Meditation wirken sehr positiv auf unsere gesamte Gesundheit. Dieses Thema ist so umfassend, dass man einen ganzen Artikel darüber schreiben könnte. Folgt bestimmt auch nocht - grins.

Hier ein Link für alle, die sich gerne sehr intensiv mit diesem Thema im Bereich Yoga auseinander setzten wollen. Hier geht es um die sechs edlen Tugenden im Yoga.

Ebenfalls erwiesen ist, dass Sport im Allgemeinen ein guter Ausgleich sind um Stress abzubauen und ruhiger zu werden. Bei jedem Sport werden Botenstoffe wie Endorphin, Dopamin und das "Glückshormone" Serotonin ausgeschüttet. Endorphin und Dopamin senken das Schmerzempfinden, während Serotinin zur Stimmungsaufhellung beiträgt.

 

3. Akzeptiere was Du nicht ändern kannst

Manches lässt sich nicht ändern. Menschen lassen sich nicht ändern, nur weil DU nicht mit Ihnen klar kommst! Weil sie Dich triggern. Dann denke an diesen Spruch:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom Anderen zu unterscheiden.

Versuche Dir eine andere Einstellung zu dieser Person oder Situation zuzulegen. Oft ist die Person einfach nur unzufrieden mit sich selbst, oder hat andere Probleme. Nur weil sie Dich angerempelt oder böse ansieht oder unfreundlich war, kannst Du immer noch zu Dir sagen: Ich bin ein freundlicher, liebenswerter Mensch, wenn Du das nicht siehst, ist das Dein Pech. Projeziere nicht alles auf Dich, denn mit DIR hat das ganze gar nichts zu tun. Akzeptiere was ist und so kannst Du in vielen Situationen viel gelassener werden. 

 

Fazit

Gelassen werden ist kein Hexenwerk, man kann es Schritt für Schritt lernen. Es dauert etwas, bis man wirklich mit vielen Situationen gelassener und ruhiger, vielleicht auch besonnener umgehen kann, aber es lohnt sich auf alle Fälle. Denn wer sich immer nur aufregt und sich an vielen Situationen reibt, der schadet sich und seiner Gesundheit.

Nur DU kannst etwas ändern! DU hast es in der Hand, das zu ändern, was Du wirklich nicht willst und das zu akzeptieren, was sich nicht ändern lässt.

In welchen Situationen willst du gelassener werden Du? Was bringt Dich heute nicht mehr auf die Palme?

Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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Gelassener werden und im größten Chaos ruhig bleiben

2 Gedanken zu „Gelassener werden und im größten Chaos ruhig bleiben

  • 07/01/2016 um 8:43 pm
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    Sehr spannendes Thema und so wichtig im Zeitalter der Schnelllebigkeit. In vielen Bereichen kann ich es wirklich super umsetzen. Habe vor knapp vier Monaten alle Zelte in Deutschland abgebrochen, weil es sich einfach richtig angefühlt hat. Seitdem reise ich gemeinsam mit meinem Sohn um die Welt, das Vertrauen ist riesengroß und es hilft ungemein, sich Zeit für Dinge zu nehmen, die uns der Bauch verrät. Es muss sicher nicht für jeden die Weltreise sein, nur für mich war es praktisch, weil es mir gemeinsame Zeit mit meinem Sohn ermöglicht. Die Muster, die ich in der Kindheit gelernt habe, lassen sich schwer ablegen und ich erwisch mich doch immer mal wieder wie ich zurück falle, vor allem dann, wenn es von irgendwo Kritik hagelt.

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    • 07/01/2016 um 10:29 pm
      Permalink

      Hallo Stephie,
      wow wie interessant und schön mit Deinem Sohn um die Welt zu reisen. Klasse, dass Du auf Dein Bauchgefühl hörst. Ich merke selber an mir auch immer die Muster meiner Kindheit, aber ich finde es ist schon ein großer Schritt, wenn einem das bewußt wird. Erst dann kann man anfangen diese Muster zu ändern.
      Zu Deiner Weltreise liegen mir total viele Fragen auf der Zunge 🙂
      Viele Grüße Michaela

      Antworten

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