Entscheidungen treffen ist manchmal echt anstrengend. Gestern war wieder so ein Morgen! Aufstehen, ’nen Chai Latte trinken, ein wenig am Artikel schreiben, unter die Dusche. Und dann – was ziehe ich bloss an! Auf Winterklamotten hab ich keine Lust mehr. Was ist warm genug und was hab ich schon lange nicht mehr angezogen? Hab mich für zwei T-Shirts zum drunterziehen und eine hellgraue Bluse entscheiden.

So noch schnell Zähne putzen und los. Aber warte mal, nee die Bluse ist doch auch schon wieder so farblos, gar nicht fröhlich und frisch wie der Frühling. Ohne je, schon sooo spät! Ich muss los, will ich nicht zu spät zur Arbeit kommen. Mist! Nee ich fühl mich so nicht wohl. Ok – ich schau doch noch mal schnell in den Schrank, vielleicht findet sich ja noch was buntes. Jaja ich hab mich wirklich noch mal umgezogen und hab die lila Bluse genommen 🙂

 

Die Psychologie der Entscheidungen

 

In etwa 20.000 Entscheidungen treffen wir jeden Tag ohne, dass wir es merken oder genau darüber nachdenken müssen, was und wie wir entscheiden. In ca. 60% der Fälle stehen wir dabei sogar unter Zeitdruck.

Jede Entscheidung für etwas ist eine Entscheidung gegen alle anderen Optionen. Das erschwert die Wahl, da wir immer Angst haben etwas falsch zu machen. Je mehr Optionen wir bei einer Entscheidung haben können, desto mehr Stress verursacht die Entscheidungsfindung (aus 20 Sorten Marmelade die richtige auszusuchen ist schwerer, als zwischen 3 Sorten zu entscheiden). Immer sind dann die Zweifel mit an Bord: Was wäre geschehen oder was wäre anders, wenn ich mich anders entscheiden hätte?

Wir haben heute so viele Optionen in fast allen Bereichen des Leben wie noch keine Generation vor uns. Aber trotzdem wurde in wissenschaftlichen Langzeitstudien herausgefunden, dass die Menschen weniger glücklich und zufrieden sind. Doch kann man nun einfach sagen, dass diese Freiheit schlecht ist? NEIN, denn noch in den 1970er Jahren hätte ich morgens mein Hauskleid angezogen, für Mann und Kinder das Frühstück zubereitet, und dann den ganzen Tag mit Hausarbeit verbracht. Wollte ich arbeiten musste ich meinen Mann um Erlaubnis fragen. Also dann ziehe ich mich lieber noch mal um bevor ich aus der Haustür gehe und ins Büro fahre oder warte mal –  vielleicht sollte ich mich doch spontan für einen Home Office Tag entscheiden? 🙂

Wir haben mehr Freiheiten und damit mehr Eigenverantwortung für unser Leben.

 

Entscheidungen treffen – mit Kopf oder Bauch?

 

Es gibt unzählige Forschungen darüber richtige Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen treffen aufgrund eines guten Bauchgefühls schneidet dabei keineswegs schlechter ab, als rational zu entscheiden. Bauchentscheidungen treffen wir häufig spontan, das ist gut. Man hat festgestellt, dass Golfspieler besser spielen, wenn sie keine Zeit haben über ihren nächsten Schlag nachzudenken. Weitere Studien haben diese  These untermauert.

 

Im Folgenden stelle ich Dir einige verrückte Forschungsergebnisse vor:

  • Stress fördert riskante Entscheidungen   

Kanadische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Manager mit normalerweise ausgewogener Problemlösungskompetenz bei Stress riskanter entscheiden und damit langfristige Folgen nicht genügend abwägen.                                                                                     

  • Emotionale Entscheidungen treffen wir besser im Hellen

Helligkeit fördert Emotionen. Willst Du emotional entscheiden, dann tu dies bei Sonnenschein. Soll die Entscheidung rational und sachlich ausfallen, dann mach das Licht aus 🙂

  • Ausgeschlafen wählt man klüger

Schlafen macht und kreativ und schlau, deswegen bedeutet Schlafmangel nicht nur eine langsamere Reaktionsgschwindigkeit, sondern ich schlechtere Entscheidungen mit höherer Risikobereitschaft

 

Du kannst also schon ein wenig an den äusseren Umständen feilen, um eine gute Wahl zu treffen – sei ausgeschlafen, entspannt und dimme das Licht oder sei im Hellen, je nachdem wie  und was Du entscheiden willst 🙂

 

 

Gibt es gute oder schlechte Entscheidungen überhaupt?

 

Klar gibt es gute und schlechte Entscheidungen, meiner Meinung nach jedenfalls. Das wichtigste ist aber, überhaupt eine Entscheidung treffen zu wollen. Denn das, was wir am meisten bereuen, ist nicht eine schlechte Wahl zu treffen, sondern eine verpasst Chance. Deswegen entscheide Dich auf jeden Fall für eine Option und vergiss dabei nicht auf Deine Gefühle zu hören. Ohne Gefühl und Emotionen kann kein Mensch entscheiden. Das hat durch Zufall der portugiesischen Neurologen Antonio Damasio rausgefunden, dessen Patient nach einer Gehirn OP keine Entscheidung mehr treffen konnte, weil er keine Emotionen mehr fühlte. Eine Revolution, denn bisher glaubte man, dass Menschen rational entscheiden würden.

Also ist meiner Meinung nach jede Entscheidung, die Du im Einklang mit Deinen Gefühlen und Emotionen getroffen hast eine gute Entscheidung. Lass Dich aber nicht ausschliesslich von Gefühlen leiten. Das führt nicht zur besseren Wahl. Deine Gefühle werde oft beeinflusst von Ängsten und Vorurteilen. Wäge also genau ab wie und warum Du diese Entscheidung so treffen willst und höre nur auf DEINE innere Stimme. Oft lassen wir uns zu sehr von unserer Umwelt beeinflussen und treffen dann nicht unsere Wahl, sonder die Wahl unserer Eltern, Partner und Freunde. Aber DU allein musst mit Deiner Entscheidung leben, deswegen: Lass dich nicht von Aussen beeinflussen.

Bleib Dir selber treu!

 

 

So triffst Du schwierige Entscheidungen leichter

 

Wir alle kennen das Gefühl uns einfach nicht zwischen zwei Jobangeboten, zwei Wohnungen oder für den richtigen Partner entscheiden zu können. Der Hintergrund ist, dass beide Optionen gleichwertig sind, es keinen gravierenden Vor- oder Nachteil bei einer der beiden Möglichkeiten gibt. Der Satz: „da muss ich nochmal drüber schlafen“ kommt zwar aus dem Umgangssprachlichen, ist wissenschaftlich aber belegt, wie oben schon erwähnt.

Es gibt aber noch einige Hilfestellungen mehr, um in diesen Situationen gute Entscheidungen treffen zu können.

 

 

1.Mit Kopf und Bauch entscheiden

Wie oben beschrieben kann man Entscheidungen treffen und dabei nur den Kopf oder nur den Bauch einschalten. Die bessere Alternative ist beide einzubeziehen. Überlege rational was die bessere Alternative ist und fühle dann in Dich hinein, ob sich diese Wahl wirklich stimmig und gut anfühlt.

2.Kennst Du alle Fakten

Hast Du wirklich alle Informationen, die zur Entscheidungsfindung und zur Abwägung möglicher Konsequenzen nötig sind? Wenn nicht hole sie Dir. Nur wenn Du alle Fakten kennst, kannst Du auch die Folgen Deiner Entscheidung abwägen.

3.Welche Konsequenzen willst Du tragen

Jede Entscheidung bringt Konsequenzen mit sich. Du entscheidest Dich für etwas und gleichzeitig auch gegen alle anderen Möglichkeiten. Das hat Konsequenzen. Willst Du wirklich für den neuen Job in eine andere Stadt umziehen, Freunde verlassen, neue Menschen kennenlernen, in eine neue Umgebung eintauchen? Werde Dir klar darüber, welche Folgen Deine Entscheidung hat. Willst Du sie wirklich tragen? Wie fühlst Du Dich damit? Freudig erregt oder krampft sich alles in Dir zusammen?

4.Was willst DU

Du selbst lenkst Dein Leben. Lass Dir von anderen so wenig wie möglich reinreden und vor allem keine Ängste oder Vorurteile. Wenn Du einen Gesprächspartner sucht, wähle mit Bedacht jemanden der nicht von der Situation betroffen und der Dir wohl gesonnen ist. Überlege Dir ganz genau was Du willst.

  • Was ist Dir wichtig?
  • Was sind Deine Werte?
  • Mit welcher Entscheidung kommst Du Deinem Ziel näher?
  • Was bist Du bereit dafür aufzugeben?
  • Was hindert Dich daran Deinen Weg zu gehen?
  • Der größte Gewinn bei jeder der Möglichkeiten wäre…
5.Für und Wider aufschreiben

Mach Dir ganz klassisch eine Liste mit den Vor- und Nachteilen einer Entscheidung. Schreibe sie in zwei gegenüberliegenden Rubriken auf ein Blatt Papier. Die Wahl mit den meisten positiven Seiten gewinnt. Oder doch nicht? Dann weisst Du jetzt was Du lieber willst.

6.Suche Dir Vorbilder

Suche Dir in Deiner unmittelbaren Umgebung Vorbilder, die Dich inspirieren oder suche Dir prominente Vorbilder. Was würden Sie Dir raten?  Wie würden Sie entscheiden?

7.persönliche Entscheidungsregeln erstellen

Erstelle Dir Deine eigenen einfachen Entscheidungsregeln. Hier einige Beispiel dafür:

°Ich esse nur was mich spontan am meisten anspricht

°Alles was ich kaufe gefällt mir zu 100%

°Was sich nicht richtig anfühlt, mache ich nicht

Das sind einfache Regeln, die Dir kleinere Entscheidungen leichter machen. Du handelst nach Deinen Vorgaben, damit fallen Entscheidungen leichter und Du bereust diese in den seltensten Fällen.

 

 

Fazit

 

Schwierige Entscheidungen treffen ist keine leichte Aufgabe, aber man kann sich mit ein paar Strategien die Qual der Wahl erleichtern. Das Wichtigste ist sich selber treu zubleiben und Kopf und Bauch mit einzubeziehen. Denke daran, keine Entscheidung zu treffen ist die schlechteste Wahl, weil wir verpasste Chancen mehr bereuen, als  eine ungute Entscheidung. Entscheidungen sind nicht in Stein gemeisselt, man kann sich anders entscheiden, wenn es sein muss.

Wie triffst Du Deine Entscheidungen? Schreibe mir gerne, ich bin gespannt.

Foto: birgitH  / www.pixelio.de
Zielsicher Entscheidungen treffen, so funktioniert’s
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